Psychiater wie Müller-Isberner raus aus dem Gerichtssaal

In der heutigen Justiz lastet eine gewaltige Verantwortung auf den Schultern der Gerichtspsychiater. Sie sollen die Schuldfähigkeit beurteilen; bei vorzeitigen Entlassungen oder der Frage des Verbleibs in der Sicherungsverwahrung sollen sie einschätzen, wie gefährlich ein Täter noch ist.
Der Richter fällt sein Urteilaufgrund der vom Gerichtspsychiater gestellten Diagnose und dessen Gefährlichkeitsprognose.
Doch werden psychologische Gutachter dieser Anforderung überhaupt gerecht? Gibt es eine Möglichkeit die Handlungen eines Menschen vorherzusehen? dass ein Großteil der Prognosen über die Gefährlichkeit von Tätern nicht stimmt. Fakt ist jedoch, dass diese Prognosen die Grundlage dafür sind, menschen in der Forensik zu behalten. dass ein Großteil der Prognosen über die Gefährlichkeit von Tätern nicht stimmt. Diese Prognosen sind aber die Grundlage dafür, Straftäter in der Forensik zu behalten.
Wenn also die Richter und natürlich auch die mit diesem Thema befassten Politiker wissen, das man 15 unschuldige einsperren muß um eine Straftat zu verhindert, dann fragt man sich schon warum es immer noch so gemacht wird.
HUGRESCH schreibt zu diesem Thema:
Theoretisch sollte es möglich sein, mit modernen statistischen Methoden und empirischen Studien das Problem der Kriminalprognose in den Griff zu bekommen – allerdings nur, wenn man, ohne Rücksicht auf den Einzelfall, allein daran interessiert ist, die Rückfallquote von Kriminellen im Durchschnitt zu senken.
Wenn man beispielsweise in einer repräsentativen Stichprobe feststellt, dass 95 Prozent der Straftäter mit dem Merkmalsmuster X nach Haftentlassung rückfällig werden, dann heißt das nicht für Herrn Meyer, der dieses Merkmalsmuster hat, dass er mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit nach Haftentlassung rückfällig wird.
Es heißt nur, dass ich bei einer weiteren Ziehung einer Stichprobe aus derselben Grundgesamtheit wieder für Menschen mit dem Merkmalsmuster X eine 95-prozentige Wahrscheinlichkeit des Rückfalls erwarten kann (Erwartungswert).
Im Licht der empirischen Forschung betrachtet (Hart et al. 2007; Litz et al. 1993), ist die psychiatrische Gefährlichkeitsprognostik kaum treffsicherer als die Glaskugelschau. Und wenn die Glaskugel von einer erfahrenen, lebensklugen Esoterikerin gehandhabt wird, dann ist es durchaus nicht auszuschließen, dass sie u. U. bessere Ergebnisse erzielt als die berühmtesten Kriminalpsychiater.
Die Psychiatrie maßt sich in der Praxis Fähigkeiten an, die ihr, sogar gemessen an den Befunden der eigenen empirischen Forschung, wissenschaftlich betrachtet nicht zu Gebote stehen. Deswegen wird in psychiatrischen Fachzeitschriften seit Jahren die Krise der Psychiatrie beklagt. Der kritische Psychiater Thomas Szasz bezeichnete die Psychiatrie als eine Wissenschaft der Lügen. Braucht unsere Gesellschaft eine solche Wissenschaft, und wenn ja, warum? Weil sonst die gefährlichen Irren frei herumliefen?
Natürlich gibt es gefährliche, brutale, grausame Menschen. Wer würde sich nicht wünschen, dass sie an ihren Taten gehindert werden, wenn es sein muss, auch durch Mauern, Gitter und Stacheldraht. Doch leider gibt es keine Möglichkeit, sie mit der moralisch gebotenen Treffsicherheit zu identifizieren. Die Gefahr, dass man die Falschen ergreift und einkerkert, die Richtigen aber laufen und ggf. sogar Karriere machen lässt, ist viel zu groß. Mit unserem System des Maßregelvollzugs, der Unterbringung, der Sicherungsverwahrung wiegen wir uns in falscher Sicherheit und nehmen dafür unverhältnismäßig hohe moralische, aber auch ökonomische Kosten in Kauf.

Man sollte Menschen an ihren Taten messen. Mutmaßungen über ihre Geistesverfassung sollten vor Gericht keine Rolle spielen, es sei denn, nachweisbare, und ich betone: nachweisbare Störungen des Nervensystems hätten einen Einfluss auf ihren mentalen Zustand und stünden in einem nachvollziehbaren Zusammenhang zu ihren Taten und ihrem zukünftigen Verhalten.
Fazit: Die Psychiatrie hat vor Gericht nichts zu suchen.

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