Psychopharmaka – Das pure Gold der Pharmazie

vito

Man könne ja gegen Psychopharmaka, heißt es, sagen was man wolle, ja, sie hätten Nebenwirkungen, teilweise erhebliche, sogar irreversible Nebenwirkungen, ja, sie seien nicht das Gelbe vom Ei, ja, sicher sei es besser, wenn ein Mensch ohne Psychopillen zurechtkomme, allein, was auch immer man vorbringen wolle und berechtigterweise auch könne, sie hülfen, sie hülfen auch Menschen in größter seelischer Not, bei denen alle anderen Maßnahmen versagt hätten – und diese Patienten seien dankbar für ihre Medikamenten und wollten sie nicht missen.

Wer sich mit dem Augenschein zufrieden gibt, wird hier zustimmen. Nicht immer zwar, nicht immer würden Psychopharmaka helfen, aber mitunter, und gar nicht so selten, geschehe ein Wunder und aus dem Tobenden und Rasenden werde ein sanftes Schaf, aus dem zu Tode Betrübten würde ein lustiger Geselle, aus dem von Ängsten Gejagten würde ein Mensch, dem keinerlei Furcht anzumerken sei. Ist das nicht wunderbar?

Klar, so heißt es: Die Nebenwirkungen könnten heftig sein und so richtig gesund seien die Behandelten auch nicht, irgendwie sei etwas Merkwürdiges an ihnen, oft seien es nur Nuancen, die sie von normalen Menschen unterschieden, aber doch, irgendetwas Befremdliches hafte ihnen an, durchaus, aber verglichen mit ihrem früheren Zustand sei das doch Gold. Ist es Gold?

Sicher, räumt man ein, es gebe auch Menschen, die Psychopharmaka ablehnten, auch wenn Ärzte, auch wenn Mitmenschen sie drängten, diese zu nehmen, fehle ihnen die Einsicht in die krankheitsbedingte Notwendigkeit; aber die überwiegende Mehrheit der Betroffenen wisse die Mittel doch sehr wohl zu schätzen und kritisch zu würdigen. Dies dürfe – bei allen berechtigten und gewichtigen Einwänden gegen Psychopharmaka – keinesfalls vergessen werden.

Es gibt keinen Röntgen-Apparat für die Seele. Auch entgegen anders lautender Gerüchte verraten uns bildgebende Verfahren allenfalls, was im Gehirn abläuft (und dies auch nur sehr ungenau und unzuverlässig), aber wie’s recht eigentlich im Innern eines Zeitgenossen ausschaut, das können diese technischen Geräte nicht ergründen.

Daher kann sich die Aussage, dass Psychopharmaka hülfen, nur auf Beobachtungen von außen stützen. Wir nehmen wahr, wie sich ein Mensch mit und ohne Pillen benimmt und was er über sein Befinden vorher bzw. nachher bekundet, und daraus ziehen wir unsere Schlüsse.

Aber ja, wenn einer, der zuvor randalierte, weil er sich von Außerirdischen verfolgt fühlte, und der dank seiner Medikamente nunmehr friedlich ist und uns nicht mehr mit Geschichten über bösartige Aliens nervt, wenn so einer also wieder halbwegs normal zu sein scheint, dann kann man durchaus von Hilfe sprechen. Allein, bei genauerer Betrachtung bleibt doch die Frage unbeantwortet, wem eigentlich geholfen wurde. Ihm? Uns?

 

https://ppsk.de/category/psychiatrie

 

 

 

Vitos Klinik Haina Hessen dessen Nachsorge dazu ein Kommentar von einem Experten Dr. Ulrich Gresch

 

Nachsorge

In der Website „Forensik transparent“ findet sich unter der Rubrik „Aktuelles“ findet sich folgendes Zitat:

„Auch aktuelle Zahlen aus weiteren Bundesländern belegen eindrucksvoll den Erfolg forensisch-psychiatrischer Nachsorge bei der Vermeidung von Deliktrückfälligkeit. So präsentierte Roland Freese, Ärztlicher Direktor der Vitos forensisch-psychiatrischen Ambulanz in Haina in seinem Referat die Ergebnisse einer Langzeiterhebung in Hessen. Von insgesamt 1.358 Personen, die sich nach der Entlassung aus dem Maßregelvollzug in einer Nachsorgebetreuung befanden, wurden lediglich vier Prozent mit einer neuen Straftat rückfällig. Das ist erheblich weniger als die Rückfallgefahr bei Maßregelpatienten, die keine Nachsorge erhalten, und unterscheidet sich noch deutlicher von der Deliktrückfälligkeit bei Straftätern, die aus einer Justizvollzugsanstalt entlassen werden: Mehr als jeder zweite setzt hier seine kriminelle Karriere fort.“[1]

Das ist also ein eindrucksvoller Beleg? Für was? Für die methodisch-methodologische Inkompetenz der Verfasser dieses Textes? Eindrucksvolle Belege könnte man allenfalls durch ein randomisiertes Design erbringen. Man hätte nach dem Zufallsprinzip Gruppen zusammenzustellen, die beispielsweise aus

  1. Maßregelpatienten mit Nachsorge,
  2. Maßregelpatienten ohne Nachsorge,
  3. Straftätern aus Justizvollzugsanstalten

bestehen.

Bei einem nicht-randomisierten Design ergibt sich nämlich die Gefahr von Selektionseffekten. M. a. W.: Es könnten vorab systematische Unterschiede zwischen den Gruppen existieren, die sich auf die Rückfallhäufigkeit auswirken. Über die Notwendigkeit der Randomisierung, der Kontrollgruppen und der Auswirkungen des Fehlens dieser Maßnahmen informieren beispielsweise Cook & Campbell (1977).

Die oben erwähnte Untersuchung Freeses war nicht randomisiert. Keineswegs will ich behaupten, dass nicht-randomisierte Studien wertlos seien; sie besitzen fraglos eine heuristische Funktion und dienen weiterer Hypothesengenerierung, aber mit ihnen kann man keinesfalls „eindrucksvoll“ den Erfolg einer Maßnahme belegen. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Schmidt-Quernheim kommt in seiner einschlägigen Dissertation zu dem Schluss:

„Das tatsächliche empirisch gesicherte Wissen über die Nachbehandlung forensischer Patienten gemäß § 63 StGB ist derzeit unverändert gering, da nur wenige methodisch anspruchsvollere Untersuchungen existieren (Schmidt-Quernheim 2011).“

Der Autor schreibt:

„Eine randomisierte kontrollierte Studie ist im forensischen Kontext mithin nicht realisierbar, ethisch nicht vertretbar und sowohl politisch als auch juristisch nicht durchsetzbar: Bei dem hohen Rechtsgut der ‚Sicherheit der Bevölkerung’ wäre es tatsächlich schwer zu vermitteln, einer zufällig ausgewählten Gruppe entlassener Maßregelpatienten forensische Nachsorge nicht als Weisung aufzugeben.“

Wenn dies tatsächlich zuträfe, dann müsste man in der Forensik eben auf eindrucksvolle Belege für die Erfolge von Maßnahmen verzichten; was überhaupt nicht geht, ist, deren Vorliegen zu behaupten, obwohl man sich nur auf Impressionen stützen kann.

Gute und schlechte Gutachten

[1]

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Ein Gedanke zu “Psychopharmaka – Das pure Gold der Pharmazie

  1. Wie lange schauen wir noch zu wie die Täter und Täterinnen (Personal) Menschen zu behinderten oder Toten degradieren. Arbeit macht frei – es wird als Arbeitstherapie verpackt. Pfleger sind provozieren und quälen die Untergebrachten. sie schreiben lügen in die Akten auch Herr Arnold teilte im Spiegel mit Vitos war die Krönung „Hadamar war die Krönung“, sagt Arnold und kann sich mittlerweile über seine Erlebnisse dort amüsieren. Er sei sofort negativ aufgefallen, weil er einfach kein Geständnis habe ablegen wollen. „Sechs Psychologen haben die auf mich angesetzt!“ Auch einer Therapie für Sexualstraftäter widersetzte er sich. Das überragende Therapeuten-personal „Was, bitte, hat das mit Therapie zu tun?“ Arnold greift sich an den Kopf. „Der schwule Therapeut schrieb einen einfachen Satz an die Tafel. Darin waren sieben Schreibfehler. Über das Pflegepersonal schrieb Herr Arnold die arbeiten den ganzen Tag nichts http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79973982.html

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